Österreichs Staatsbahnen. Ein Blick zurück

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B0160

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Vorwort 
Eim Wort eingangs zum buchtitel: Warum bemühe ich schon wieder die Vergangenheit? Wartini sich nicht mit der ungleich wichtigeren Gegenwart und der Zukunft des Schienen-verkehrs hefassen? Nach rund 157 Jahren lokomotivbetriebener Eisenbahnen in Österreich stellt sich die Frage: Welches Ansehen, welche Bedeutung hat die Bahn in der Gegenwart? So einfach die Frage klingt - die. Antwort darauf dürfte weniger leicht zu geben sein. Sie ist bestimmt nicht allgemeingültig abzufassen und würde aus der Sicht jedes einzelnen Mitbürgers je-weils anders ausfallen. So war es zweifelsfrei erfreulich, als im Mai 1987 auf der elektrifi-ziert uit und vorhildlich wiederhergestellten Wiener Vorortelinie der Schnellbahnbetrieb aufgenommen wurde. Aber hätte man nicht auch fragen können, warum sie bis 1987 ohne Personenverkehr blieb? Eines aber scheint mir unbestritten: Die Schienenbahnen werden heute mehrheitlich bejaht und gelten als umweltfreundliches und sicheres Verkehrsmittel. Auch wenn es der Presse, wie jüngst unwidersprochen geschehen, gelingt, die Bahn nach Schiff und Flugzeug erst an dritter Stelle der Sicherheit zu reihen. Jedenfalls lag sie aber auch hier noch vor dem Straßenverkehr. Dennoch: Das Auto wird durch seine Verbreitung und aus Geschäftsinteresse in der öffentlichen Meinungsbildung weiterhin bevorzugt be-handelt werden. Ständige Autospalten in der Presse, Fahrzeugvergleiche, Motorsport und reichliche Werbeflächen prägen das Bild - die täglichen Straßentoten finden sich eher im Kleingedruckten. Ein einzelnes Eisenbahnunglück hingegen macht tagelang Schlagzeilen! Ist vielleicht deswegen der Traumberuf früherer Bubengenerationen, der Lokomotivfüh-rer, schon lange vom ersten Platz verdrängt? Doch ein Vergleich zu früher scheint mir überhaupt unmöglich, denn eine private Vollmotorisierung wie heutzutage gab es ja nie-mals zuvor. Das gegenwärtige Chaos auf unseren Straßen ist allbekannt. Die Lippenbe-kenntnisse unserer Politiker zugunsten des öffentlichen Verkehrs sind es ebenfalls. Denkt man nur ein Menschenleben zurück, ist man in einer völlig anderen Zeit. Die Wirtschafts-lage war, zumindest in Österreich, unvermindert ernst, die Bahn aber unbestrittener Haupt-verkehrsträger. Die Verkehrspolitik fand in den Tageszeitungen großzügige Verbreitung und Aufmerksamkeit. Als Beispiel: Neue Freie Presse, Wien, 28. Dezember 1936 Vor-gängerin der heutigen Tageszeitung Die Presse, unter dem Titel Rekord-Reiseverkehr: Der Ausreiseverkehr zu den Weihnachtsfeiertagen hat in diesem Jahr eine Höhe er-•eicht, die bisher noch kaum verzeichnet werden konnte. In erster Linie war der Verkehr auf dem Südbahnhof und Westbahnhof besonders stark, denn von hier geht es in die be-vorzugten Schigebiete. Da in diesem Jahr die Schneeberichte aus der Umgebung Wiens nicht besonders günstig waren, konzentrierte sich der Ausreiseverkehr hauptsächlich auf die Fernz.ü,ge. Auf dem Westbahnhof nitißte der Nachmittags-Sportzug in vier der Abend-sportzug sogar in fünf Garnituren geteilt werden, so daß in einer halben Stunde 3500 Personen Will Westbahnhof abfuhren. .....